Sonntag, 8. Januar 2012

Stierkampf


Es ist ein Spektakel das seinesgleichen sucht! Eine Mixtur aus Tradition und Grausamkeit und Begeisterung. So blutig und doch so faszinierend. So veraltet und doch so fesselnd. So grob und doch so graziös. Ein Erlebnis.
Es begann mit einer Marinera zu Pferd. Schon allein für diese seltene Präsentation des Peruanischen Nationaltanzes, hatte es sich gelohnt das viele Geld auszugeben. Das Stadium, einem Kolosseum ähnelnd, ist fast voll. Menschen verschiedenster Gesellschaftsschichten drängen sich Hintern an Hintern auf die kalten Steinsitze. Viele in traditionellen Kleidern, so wie die Tänzer, Kämpfer und deren Helfer, fast alle mit den bekannten Strohhüten auf dem Kopf, alle mit einer beeindruckenden, flammenden Begeisterung im Herzen. Um zwei nach wird das Volk laut - Stierkämpfe müssen sogar in Peru auf die Sekunde genau anfangen!!! Es öffnet sich das Tor gegenüber dem Kampfrichter. Drei Männer in Schwarz, zwei zu Pferd einer zu Fuß treten heraus. Der Mann zu Boden trägt einen großen, alten, symbolischen Schlüssel in der Hand. Damit wird, nach dessen Erlaubnis, die Tür unter dem Kampfrichter, aus welcher die Stiere stürmen, geöffnet. Jetzt kommen die drei Stierkämpfer. Jeweils mit vier Helfern. Vier Picadores zu Pferd. Vier Bandalleros. Und einer Herde anderer Helfer. Sie begrüßen den Kampfrichter, das Volk und werden, von ebendiesem, gefeiert. Ein jeder verzieht sich in seine Ecke, die Frauen breiten Tücher aus, die die Farbe und das Wappen des jeweiligen Kämpfers tragen und sie unterstützen sollen.
Der erste von sechs Kämpfen beginnt. Der Stierkämpfer fragt den Richter um die Erlaubnis zu kämpfen. Dieser nickt und so öffnet der Kämpfer das Tor, aus dem so dann der Stier heraus gestürmt kommt. In dieser ersten Phase des Kampfes beweist der Kämpfer seinen Mut. Er testet den Stier und spielt mit ihm. Es wird mit einem lila Tuch gekämpft. Bald gibt der Richter, den Picadores ein Zeichen, die sofort angeritten kommen. Sie tragen Lanzen, womit sie den Stier mit einigen gezielten Stichen schwächen und gleichermaßen reizen. Sie verschwinden wieder und der Kampf geht weiter. Unterdessen kommentiert das Volk den Kampf. Sie brüllen Bravo, fordern mehr Aktion oder bemängeln eventuell begangene Fehler. Die Leute sind ein enorm wichtiges Attribut, da sie einiges an Einfluss auf den Kampf haben. So fordern sie z.B. die Kapelle zum Spielen auf wenn der Stierkämpfer ein guter ist, oder fordern diesen auf seinen Kampf in die Mitte der Arena zu verlegen, was dieser, dem Volk gehörig, seines Einflusses wegen, auch meistens tut. Sogar der Kampfrichter beugt sich manchmal der Stimme des Volkes, wenn es um die Belohnung geht, die der Kämpfer nach einem sehr guten Kampf bekommt. So geben sie sich unter Umständen nicht  nur mit einem Ohr des Stieres zufrieden und schreien so lange, bis der Richter dem Helden noch ein zweites oder sogar den Schwanz, die höchste Auszeichnung, zugesteht. Unterdessen sind die Bandalleros dran. Sie wagemutigen Männer stürmen auf den Stier zu und stechen diesem zwei, mit Widerhaken bestückte, Speere in den Rücken. Davon bekommt er drei. Jetzt tauscht der Stierkämpfer sein Tuch. Nun kommt das berühmte rote zum Einsatz. In diesem zweiten Teil des Kampfes beweist der Kämpfer sein Geschick, in dem er versucht den Kopf des Stieres möglichst lange gen Boden gerichtet zu halten. Begleitet von Pirouetten, Kniefällen und anderen Kunststücken versucht der Kämpfer die Gunst des Volkes zu ergattern und die Reaktion des Stieres zu testen. Wenn er für das Finale bereit ist, tauscht er sein Schwert in eines mit gebogener Spitze und versucht sich nun gegenüber dem Stier zu positionieren. Kurz bevor dem entscheidenden Stich ins Herz des Stieres wird das Volk ganz ruhig. Es ist ein Gänsehaut machendes Gefühl wenn plötzlich die Musik aufhört zu spielen und 40000 Menschen ganz still sind. Alle warten auf den letzten Akt des Kampfes. Der Kämpfer muss den Stier dazu bringen seinen Kopf Richtung Boden zu neigen, so dass er ihm in den Rücken stechen kann, wo sich sein Herz befindet. Gelingt das empfängt ihn ein Jubelsturm, wenn nicht hat er verloren. Der Stier sackt zu Boden, kämpft noch manchmal um sein Leben, das ihn aber so oder so verlieren wird und wird dann von zwei, drei gezielten Stichen eines Dolches getötet, damit er nicht sehr leiden muss. Je nach dem wie gut der Kampf war folgt nun die Siegeszeremonie des Kämpfers, oder nicht, die Belohnung, oder nicht und ein neuer Kampf beginnt.
Manche finden das eine Grausamkeit die unterbunden werden muss. Der Kampf ähnelt einem Massaker, da haben sie Recht! Trotzdem überwiegt für mich die Kunst und Tradition. Es ist wahrscheinlich Ansichtssache, wie so vieles im Leben. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, was ich in meinen Erfahrungen, die ich in Südamerika gemacht habe und machen werde, nicht missen möchte. Wer sich mit mir darüber unterhalten will, ruft mich an!

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