Donnerstag, 15. September 2011

Zuhause Fremdsein

Was sehe ich? Ich laufe durch die Straßen und schaue mich um. Ich schaue nach Rechts. Und was sehe ich? Ich schaue in Fremde Gesichter, Gesichter die mich argwöhnisch anschauen. Fragend. Abschätzend. Fremd. Ich schaue nach Links. Und was sehe ich? Ich sehe in unbekannte Gesichter, Blicke treffen mich. Musternd. Kalt. Anders. Ich ziehe mir die Kapuze über den Kopf, es ist kalt. Es wirkt so kalt, hat fünfzehn Grad. Ich gehe weiter. Die Stimmung ist anders. Man ist anders. Ich fühle mich anders. Zum ersten Mal in meinem Leben weiß. Anders. Das Leben ist anders. Es gibt neue Regeln zum Leben. Kannte ich Regeln zum Leben? Zwangsläufig. Aber unbewusst. Ich lebte einfach so. Jetzt ist es schwieriger. So kommt es mir vor. Man tut alles um nicht aufzufallen und tut es doch. So oder so. Ich bin anders. Fremd. In der Fremde Zuhause zu sein. Anzukommen. Zu leben. Ist das möglich? Bei so viel Verschiedenheit.
Die Menschen sind herzlich. Fröhlich. Stolz. Sie machen Witze. Lachen. Leiden. Öffentlich. Die Armut ist nicht zu übersehen. Es tut weh. Zu sehen. Ich laufe durch die Gassen und sehe Menschen. Menschen, die nichts haben. Auf der Strasse sitzend, betteln sie um ihr leben. Einsam. Krank. Arm. Ich laufe vorbei und ziehe mir die Kapuze tiefer in die Stirn. Es ist nicht einfach zu leben. Tut weh (vorbei) zu laufen. Zu sehen. Zu wissen. Wissen was hinter alldem steckt ist unmöglich. Erahnen schon eher. Trotzdem. Schwierig. Sehen reicht schon. Denken hilft nicht. Nein. Nur leben. Lebe den Moment!
Mein Leben? Aufstehen. Kalte Dusche. Sprachschule. Arbeiten. Zigarette rauchend ins Bett fallen. Was habe ich heute gemacht? Nein! Nicht denken – Leben. Schlafen. Manchmal Freunde treffen. Rauchen. Trinken. Reden. Lachen. Tut gut. Sehr gut. Entspannt mich. Und plötzlich ist denken erlaubt. In diesen seltenen Momenten. Den Oasen meines Daseins. Fange ich an zu träumen. Sehe, was ich noch so alles vorhabe. Sehe mein Leben. Wie gut es mir geht. Genieße meine Freiheit. So sehr. Unglaublich. Frei…Träume von Frauen. Reisen. Meinem Leben. Fühle mich wohl.
Einsam - Zusammen. Fremd - Zuhause. Neu - Angekommen. Anders - Wunderbar.
Die Welt als Gringo zu sehen. Als Fremder. Weißer. Großer! Ausländer. Ist schwierig. Zu wissen, dass man nach einem Jahr wieder in die heile Welt fliegt. Ins Paradies. Macht es nur schwieriger. Ich will das nicht. Will es doch. Weiß es nicht. Was weiß ich schon? Dass ich anders bin. Neu bin. Mich verändern werde. Veränderungen. Das ist das, was ich wollte. Hier bekomme ich es. Umsonst. Geschenkt. Trotzdem. Es ist nicht leicht. Aber sie sind gut. Bringen mich weiter. Halten mich am leben. Schaue auf den Moment! Fühle ihn! Einfach? Nein. Aber. Besser.
Schwarz –Weiß. Kalt – Heiß. Klein – Groß. Langsam – Schnell. Farbig – Farblos. Weit – Kurz. Schön – Hässlich. Arm – Reich. Wasser – Kein Wasser. Feucht – Trocken. Grün – Verdorrt. Lebendig – tot.
Gegensätze bestimmen mein neues Leben. Reizen mich. Fordern mich. Nerven mich. Aber alles hat sein Plus und sein Minus. Ich fühle beides. Es sind starke Strömungen. Pole. Es gibt kein Weder…Noch. Gibt nur alles. Das volle Programm. Rückzug kann und will ich nicht. Mit Vollgas voraus. Leben. Erleben. Beben. Fehlte mir Zuhause. Hier habe ich es. Den alltäglichen Rausch! Vielleicht nicht lange. Aber im Moment ist er da. Und deswegen lebe ich…Ich lebe ihn. Den Moment.

Sonntag, 4. September 2011

Eindrücke


Jetzt bin ich also schon seit eineinhalb Wochen in der Fremde und langsam verändert sich mein Eindruck von „WOW“ zu „normal“! Aber das ist auch schön so, denn ich verspüre nun ein kleines Gefühl von Ankunft. Nicht das es schwierig war reinzukommen, gar nicht, aber die Fremde und die Zeitumstellung und alle Eindrücke zu verarbeiten, das brauchte schon seine Zeit. Aber ich fühle mich sehr, sehr wohl. Die Menschen sind nett, hilfsbereit, freundlich, lustig, lebensfroh, und ein bisschen laut, zusammengefasst: Sehr angenehm. Die Arbeit ist ziemlich entspannt! Ich muss nicht viel machen, die Hauptsache ist, dass ich da bin und den Jugendlichen das Gefühl von Zuneigung bzw. Interesse vermittle. Und das gelingt mir glaube ich ganz gut.
Die Stadt ist ein Wahnsinn in beiderlei Hinsicht. Riesengroß, laut, sie stinkt, sie ist sehr dreckig, die Strassen und Häuser sind heruntergekommen, natürlich nicht in den wenigen Reichenvierteln, sie ist ohne Mitleid wie ich finde, aber sie hat auch ihre unglaublich reizvollen Seiten wie z.B. die vielen Stände auf den Straßen mit Früchten, Essen, Süßigkeiten, Klamotten usw. die vielen kleinen Boutiquen in denen es immer etwas zum schauen oder zu naschen gibt, das Meer, die spannenden Bus und Taxifahrten auf denen man jedes Mal denkt man müsse gleich sterben und jetzt grade am Anfang die noch Tausend unbekannten Sachen und Dinge die es zu erkunden, entdecken und zu bewundern gilt!
Diese Reise, dieses Jahr galt als Abenteuer, und so hat es auch angefangen. Die ersten Tage habe ich mich als Außerirdischer gefühlt, wie ein winziger Säugling dazu, der nicht wusste wie er sich in welcher Situation verhalten muss. Dieses Gefühl ist gewichen und mittlerweile glaube ich bin ich in der Jugend angelangt. Man probiert aus! Manchmal steige ich einfach in den Bus um zu schauen, in was für ein Stadtteil ich nun kommen werde, manchmal laufe ich in meinem Stadtviertel herum und versuche zu verstehen, zu entdecken, was es noch so alles gibt. Ich versuche zu handeln, feilschen…was leider noch sehr selten klappt! Ich lebe ganz einfach mein Leben, mit aller Freiheit die ich im Moment besitze und das ist schon viel. Ich muss zur Arbeit kommen und mehr nicht, da gibt es niemanden der auf mich aufpasst, das liegt nun alles in meiner eigenen Verantwortung und das ist gut so, es ist ein angenehmes Gefühl zu wissen, dass wenn ich dieses nun mache, bin ICH derjenige der in die Verantwortung gezogen wird. Genau dieses Gefühl habe ich mir schon lange gewünscht und genieße es für den Moment. Denn für mich gilt: Der Moment ist das einzige, was das Leben lebenswert macht!