Donnerstag, 10. November 2011

Im Dunkeln

Es graut. Ich stehe am Straßenrand und betrachte Menschen. Sie lachen. Reden laut. Lallen. Einer torkelt um die Ecke. Die anderen bleiben. Nichts ahnend stehen. Das Ende eines langen Abends. Ich zünde mir meine letzte Zigarette an. Bleibe im Dunkeln. Der eine kommt wieder. Nüchtern. Trotzdem. Starrer Blick. Weiß nicht wie ihm geschah. Ich denke mir meinen Teil. Ahne was passiert ist. Es ist zu offensichtlich. Zu gefährlich alleine im Morgengrauen.
Es ist Tag. Ich laufe durch die Straßen. Fühle mich wohl. Sicher. Aber.  Schaue ich mich um. Vorsichtig. Schon seit einer Weile. Mehrmals. Und sehe immer die gleiche Szene. In das gleiche Gesicht. Bleibe ruhig. Binde meine Schuhe. Er geht vorbei. Aber. Bleibt beim nächsten Geschäft stehen. Sehen uns kurz in die Augen. Gehe nach links. Durch einen Markt. Im Zickzack. Mütze ab. Pulli weg. Geld zum allerwertesten! Finde eine Bank. Setze mich. Kippe an und telefonieren. Trotzdem wachsam. Er kommt nicht. Dann werde ich Zeuge. Geht zu schnell. Mitten auf der Straße. Und. Wieder ein Fremder. Nicht ich.
Es dämmert. Wir gehen spazieren. Zu zweit am Strand. Hören den Wellen zu. Dem Klirren der Kiesel wenn sich das Wasser wieder zurückzieht. Ist schön. Entspannt die Seele. Aber. Bin trotzdem hoch konzentriert. Nach allem was passiert ist. Zu viele Geschichten im Kopf. Zu viele Bilder. Wir laufen weiter. Sie spricht leise zu mir. In der Nähe sind ein paar Gässchen. Wir passieren Sie. Blicken in dunkle Gesichter, schwarzer Männer. Einer spricht mich an: „Hey flaco. Quieres un pocito Mari?“ Ich winke ab: „No, gracias.“ Blicke verfolgen uns. Sie ist schön! Wir zu europäisch. Wirken reich, trotz verratzter Klamotten. Ich rede sachte auf sie ein. Nicht umdrehen. Ruhig bleiben. Normal verhalten. Kapuze auf und nach rechts ab. Nach einem Stückchen hören wir. Einen Schrei. Wir laufen zurück. Dunkle Gestalten rennen in alle Himmelrichtungen. Eine bleibt stehen. Ängstlich. Verunsichert. Alleine!!! Zu gefährlich alleine. Als Frau allemal. Wir laufen weiter. In unseren Köpfen wiederholen sich ähnliche Szenen. Dieses Mal mit uns. Aber wieder nicht. Wir.
Ich stehe im Dunkeln. An einer Straßenecke. Es ist kühl. Noch ist kein Hochsommer. Die Laterne flackert. Ein leichter Wind weht mir um die Nase. Kapuze auf. Kippe an. Sicher wirken. Beobachten. Wo muss ich hin? Wen kann ich fragen? Man will mir Nüsse verkaufen. Ich kaufe eine Packung - um normal zu wirken. Sie schmecken verbrannt. Ich frage ein paar Leute. Keiner weiß es. Letzte Chance. Ein Taxi. Eines heranwinkend muss ich an eine Geschichte denken. War übel gewesen. Zu spät. Schon hält eines. Also gut! Zuallererst. Blick in den Kofferraum!!! Ist leer. Dann die Adresse durchgeben. Er kennt sie. Verhandeln. Preis ist in Ordnung. Ich steige ein. Sage ihm wo ich aussteigen möchte. Und. Auf Nachfrage. Dummerweise. Wo ich hingehe. Kurz darauf ein Telefonat. Ist ein Kumpel. Er bekommt eine Personenbeschreibung. Mit zwei Adressen. Dort wo ich aussteige. Und der, wo ich etwas trinken gehen wollte. Bleibe Gelassen. Lasse ihn fahren. Ich erkenne wieder wo wir sind. Dann. Kurz bevor wir da sind. Ein weiterer Anruf. Seien gleich da meint der Taxista. Ich reagiere. Sage, dass es hier auch gut ist. Bezahle. Steige aus. Ziehe mich um. Zum Glück habe ich Sachen dabei. Laufe durch viele Straßen. Auf Umwegen zur Kneipe. Und wieder werde ich Zeuge. In einer Seitenstraße. Ein Handgemenge. Vier gegen zwei. Zu viele. Außerdem. Ein Messer blitzt auf. Das ist die Entscheidung. Gegen ein Messer. Keine Chance! Nach Sekunden ist es vorbei. Aber. Alles weg. Und einen Riesenschock. Ich laufe weiter. Aufgewühlt. Denn. Wieder nicht ich. Und wieder war ich. Hilflos zum Zuschauen verdammt.
Hätte ich helfen sollen? Eingreifen sollen? Eigentlich zu gefährlich. Will doch noch leben. Den Moment erleben. Doch wie kann ich das, wenn ich immer wachsam sein muss? Immer nach hinten schauen muss. Irgendwann holen sie mich vielleicht auch ein. Und dann ist auch kein anderer da. Der hilft. Denn. Alle wollen leben. Auch die Täter. Also geschehen lassen. Darauf warten! Geduldig. Und. Trotzdem. Wachsam. Um es womöglich. Zu vermeiden…

Dienstag, 8. November 2011

Vermisst - Gefunden

Der Weg soll das Ziel sein. Die persönliche Entwicklung. Kleine Veränderungen bereiten ein Lächeln. Ich glaube. Ich bin auf einem guten Weg mich zu verändern. Wie? Weiß ich nicht! Aber. Wenn ich an die Zeit in Deutschland zurückdenke. Kommt es mir vor, als wäre es vor Jahren gewesen, dass ich dort lebte. Dabei ist es noch keine drei Monate her! Die Erklärung ist simpel: Ich habe ein neues Leben angefangen. Durch die vielen Erneuerungen in meinem Lebensrhythmus. Durch die Verschiedenheit der Menschen. Des Landes. Der Mentalität. Das viele Erkunden. Der Umstellung. Wird dieses Gefühl der Abgrenzung zu meinem „alten“ Leben noch verstärkt. Es ist ein schönes Gefühl. So neu angefangen zu haben. Und das werde ich mein Leben lang im Herzen behalten. Trotzdem. Es gibt auch Dinge. Sachen. Und vor allem. Menschen. Die ich vermisse. Mal mehr. Mal weniger. Auf der anderen Seite. Es gibt ja immer positiv und negativ. Habe ich hier in Peru auch sehr viel gefunden. Was mich an Deutschland gestört hat. Das Leben besteht, glaube ich, ganz einfach aus Kompromissen. Es ist ein Geben und Nehmen. Ein Verlieren und Finden und ein sich – damit – arrangieren!
Menschen. Die ich liebe. Ist das schlimmste. Jeder Gedanke an sie. Ist wie ein Stich ins Herz. Es blutet meine Seele und will nicht verheilen. Man findet andere. Doch kein einziger ist. Austauschbar. Jeder einzige. Einzigartig.
Mal kurz ins Städtchen um mit Kumpels ein Bier zu zischen. Generell die Anwesenheit auf öffentlichen Plätzen. Vor allem abends. Gibt’s nicht. Zu gefährlich…Die Unsicherheit. Das dauernde Um – sich - schauen und Wachsamsein. Gemütliche Cafés mit gutem Café und Kuchen. Der machismo. Der Konservativismus. Der Blick geht selten über den Tellerrand hinaus. Der Style…
Die andere, positive Seite.
Der Lebensrhythmus. Die Gelassenheit. Ruhe. Einfachheit. Das Improvisieren. Die Lebensfreude bei vielen. Der Dreck und die Verschlissenheit der Städte. Lima und seine verratzten Gässchen und bunten Häuser. Die kleinen Märkte. Die Früchte. Straßenstände. Das Meer. Das Chaos an sich. Das Vibrieren der Stadt…