Sonntag, 29. Januar 2012

Der Menschheitsmensch

Lima der 24. – 29. Jan. 2012

Der Menschheitsmensch

Widmung

Für Mama und Papa Schwenk, die meine Phantasie angeregt haben.

Prolog

Es ist nichts in der Welt, als Hass.
Nichts als Liebe.
Nicht nur der Regen macht uns Nass,
Auch die Tränen, der Verstorbenen.
Ihre Seelen verdammen unsre Hiebe,
Und nennen uns, die Verdorbenen.


Teil Eins:
Mein Kopf ist voller Gedanken, ich möchte ihn leeren. Deshalb bring ich sie nicht auf die Banken, um sie zu vermehren, sondern tippe sie aus, und trage sie mit dieser Worddatei in die Welt hinaus. Manchmal frage ich mich, warum ich bis ans andere Ende der Welt fahren musste, um Erfahrungen zu machen, die bleiben. Aber vielleicht habe ich sie auch Daheim gemacht, und nur vergessen, mir ab und zu die Augen zu reiben, und sie freizulegen. Schon immer habe ich Erfahrungen gemacht, fürs Leben, doch nie daran gedacht, sie ihm zurück zu geben. Wahrscheinlich braucht es dazu den Abstand von Zuhause, von der Geborgenheit der sicheren Bleibe. Vielleicht, hielt ich sie mir auch deshalb vom Leibe. Aus Angst es könnte sich was ändern. Dabei verändert sich alles. Die Welt. Die Gesellschaft. Die Menschen. Und ich mich auch.
Ich wollte immer zu einer großen Persönlichkeit reifen, das war mein Ziel. Habe immer versucht nach den Sternen zu greifen, und nicht bemerkt, dass ich dabei auch fiel. Manchmal sehr tief, das waren dann Fehler, aus denen ich lernen musste. Aber immer wollte ich zurück. Der Weg zurück auf den Gipfel meiner, bis dahin gereiften, Persönlichkeit war jedes Mal lang und besteinig. Nie waren sich meine Seele und Geist über begangene Fehler einig. Über jeden dieser stolperte ich auf dem Weg nach oben drüber. Die Vernunft entschied dann und schickte sie ins Jenseits hinüber. Oder war es die Erfahrung?


Teil Zwei:
Als Weltenbürger bin ich geboren. Und trotzdem fühle ich mich hier oft ganz verloren. So weit weg von Zuhause, so weit weg von Gewohnheit und bekannter Kultur. Es scheint, als änderte sich hier sogar die Uhr. Es herrschen nicht nur ein anderes Zeitgefühl, sondern auch andere Gesetze. Ich fühle mich, als wäre ich in einem vorherigen Jahrhundert, und setze damit keine Kritik, sondern nur meine Gedanken frei.
Konservativismus. Machismos. Rassismus. Einschränkung der Liebesfreiheit. Das sind harte Worte. Und dennoch verschließen sie mir die Pforte, zum Weltverständnis, und öffnen sie zum Selbsteingeständnis: Ich bin kein liberaler Mensch. Ich bin gefangen in meinen Vorstellungen und Werten, so wie wir sie in unserem „zivilisierten“ Abendland ehrten. Ich bin voller Vorurteile und wenig offen für Neues. Ich schaue schnell auf altes zurück, und bereu es. Ich bereue es nicht aufzubegehren um die Welt zu bekehren. Ich habe kaum den Mut, die Welt zu verändern, und warum auch, es ist doch schon alles gut! Noch nie zuvor waren wir so reich wie heute. Und noch nie zuvor, gab es mehr ärmere Leute. Das sind die Fragen, die mir meine Gehirnhaut verbrennen. Sieht es denn keiner, wie lange wir schon in unser Verderben rennen?


Teil Drei:
Global vernetzt und einig wie nie, scheint Großes möglich zu sein. Doch ein jeder schaut nur auf sich selbst und wie er seinen Reichtum vermehren kann. Sich wertvolle Rohstoffe sichernd, fällt jeder auf die Fallen der Wirtschaft herein. Und die wenigen Klugen schreien die Mächtigen der Welt an. Ohne Erfolg. Man redet und lügt. Man führt Krieg und rügt diejenigen, die größere Kriege führen.
Es ist nicht leicht in solch einer Welt zu leben, in der die Reichen und die Wirtschaftsbosse, über allen anderen schweben.
Es ist nicht leicht, mit anzusehen, wie die Ambitionen der Menschen, vor die Hunde gehen.
Es ist nicht leicht, zu wissen, dass die Großen von oben, auf die Kleinen von unten pissen.
Es ist nicht leicht, zu verstehen, warum die Klugen, sich immer nach dem Fähnchen im Winde drehen.
Es ist auch nicht leicht, zu klagen, denn alles scheint unbegründet und ohne Beweis.
Vor allem aber, ist es nicht leicht, zu fragen, was zum Kuckuck soll der Ganze Scheiß?
Die Antworten werden auf sich warten lassen. Deshalb bin ich guten Mutes. Und versuche mir ins Herz zu fassen, es zu greifen und mich zu fragen, gibt es da draußen noch Gutes?


Teil Vier:
Ich bin viele Wege gegangen, in meinem kurzen Leben,
Hab mich immer gefragt, ob das der einzige Weg sein mag.
Nie war ich sicher, wie richtig meine Entscheidungen gewesen sind,
Immer war ich Stumm und Taub und Blind,
Für andere Pfade, ganz nach meiner obigen Klag’,
Dass zu selten ein Mensch, wird dem Menschheitsmenschen übergeben.


Epilog

Meine Gedanken waren schwer.
Nun schweben sie als Worte im Universum.
Mein Kopf ist jetzt leer.
Und dennoch kann ich sie fassen, auch verkehrt herum.
Alles was bleibt, ist die Vergangenheit und das Wort.
Es bahnt sich den Weg durch die Köpfe derer, die es hören wollen,
Und konstruiert einen Hort
Der Hoffnung.
Friede bringen die, die sich nicht wegdrollen,
Lassen,
Die vergessen haben, zu hassen,
Und wagen, neue Wege zu gehen.
Diejenigen wähnen sich glücklich, die im Regen stehen,
Die gegen den Strom schwimmen,
Auch wenn sie nicht zu schwimmen wissen.
Die den Mund auf machen, um zu schreien,
Auch wenn sie stumm sind.
Die zu gehen versuchen,
Auch wenn das Bein hinkt.
Die Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Strebsamkeit, als Tugenden verehren.
Die noch an ihrer Winterration zehren,
Auch wenn schon Sommer ist und sie fressen könnten,
Aber sie wissen, dass sie damit nur die Welt zerstören.
Also lassen sie es und lauschen den Chören,
Der Vernunft.
Die damit beginnt, ihre Gedanken auszuschütten.
Um die Welt, wach zu rütteln.

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