Donnerstag, 24. Mai 2012

Das Hoffnungspflänzlein

Ein Hoffnungspflänzlein ist gediehen, gewachsen, gereift und wurde schließlich zur Blume, die nun frei in ihrer Welt steht und sich an ihrem ebenfalls gedeihenden Umfeld erfreut; obschon sie weiß, dass sie innerlich nicht die gleiche Kraft besitzt, wie sie sie von außen scheinbar besitzt, und dass ihre Wurzeln schon bei ihrer Geburt welkten und sie, sobald sie in altes Umfeld zurückkehren wird, zusammenfallen und den Tod des Phönix sterben wird, dies jedoch mit Freuden tun wird und alsdann ihre Asche mit dem Schleier des Vergessens überdecken wird; allerdings zuerst ihr Leben, die Zeugung inbegriffen!, verarbeiten wird, um aus dem augenscheinlichen Schaden, einen Vorteil, eine Lehre, eine Weisheit auszugraben, um nicht das schlimmstmögliche bekennen zu müssen, nämlich, dass alles umsonst war, denn das war es nicht, und das ist vielleicht ein Ding, das ihm die Kraft des Weitermachens gegeben hat und das ihm den Mut gibt, nichts zu verfluchen, was es nicht verdient hätte.
So ist’s im Moment um mich bestellt und nichts wiegt schwerer, kein Traum wirkt schöner, kein Gedanke erfüllender, als die Liebsten wieder in die Arme zu schließen. Und das sei nicht negativ verstanden, bitte, nein! Im Gegenteil meine lieben, dies gibt mir die Kraft und schenkt mir die Geduld das zu Ende zu führen, was ich anfing. Die Angst des Scheiterns, zerfraß mich von Anfang an um ein vielfaches mehr, als das leichte, subtile Ziehen der Sehnsucht, des Wiederhabenwollens. Das liebgewonnene Alte auszuscheiden, gleichzeitig das Neue zu verdauen und liebzugewinnen war wohl die schwierigste Aufgabe meines bisherigen Lebens.
Es ward leicht sich alles vorzustellen, zu erträumen; schwieriger war es, das sich vorgestellte durchzuleben, und am allerschwierigsten ist es, diese beiden Oppositionen, Illusion und Wirklichkeit, zu einen, zu einem Ganzen zusammenzuschweißen. Durch Nachdenken, Reflexion und Geduld gelingt dies vielleicht in ferner Zukunft und schenkt mir ein Lächeln, wenn ich sagen kann: „Ach je, so habe ich früher gedacht, gehandelt, gefühlt! So klein war mein Geist, so schmalspurig die Autobahn meiner Gedankenstränge, so verhärtet meine Seele. Zum Glück lernt ein jeder die gemachten Fehler zu vergessen und zu verarbeiten, um neue, strahlendere Eigenschaften auszugraben, um damit der Vollendung ein Schritt näher zu rücken“.
Fehler sind wie Steine auf einem Weg, die man aufhebt, sie in der Hand drehend, über sie nachdenkend anschaut und sie dann wieder zur Erde bettet um sie hinter sich zu lassen. Fehler sind die Erdkörnchen im Blumenbeet, die man umgraben muss, damit neue Knospen sprießen können; sobald man dies nicht tut, die Erde festtrampelt, kann keine Blume mehr wachsen, kein Kräuterchen gedeihen.
In Gedanken muss man pflegen was man tat, man muss liebhaben wer man war, nur so pflückt man die Früchte seiner Fehler mit Freude, bevor sie von selbst faulend fallen und vergehen.
Vergänglich ist der Mensch. Vergänglich ist das Tier. Vergänglich sind Gras und Wald. Vergänglich ist die Welt?
Alles ist Veränderung. Ist Wandel. Ist Geben und Nehmen. Einatmen, ausatmen. Verzweifeln und Hoffen. Ist Liebe. Ist Hass.
Kann einer fassen was Ewigkeit ist? Was ist ewig? Gibt es Vollendung für uns Menschen? Wie sieht sie aus?
Vollendet ist die Schöpfung. Vollendet ist die Welt. Wir Menschen sind auf dem Weg dorthin, in die Ewigkeit. Voll Unwissenheit.
Voll Leid.
Voll Hoffnung.
Voll Liebe.
Sterbend.

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